Editors Letter
Herzlich willkommen zur vierten Ausgabe
des styleaut.mag 2009
Die Frage nach dem Sinn stellt sich bei Kunst und Gestaltung ja seit Anfang an: »Muss das denn sein?« Und: »Wer braucht denn das?« sind gerne und oft gehörte Alltagsreaktionen zu diesem Thema.
Wohlgemerkt: Wir reden hier selbstverständlich von einer allgemeineren Haltung, nicht von der Minderheit designaffiner Kreise. Dieser Gruppe muss man ohnehin nichts mehr erklären (und manchmal kann man leider auch nichts mehr erklären), da sich schon feste Meinungen und Geschmäcker gebildet haben.
Wie erklärt man "Design"?
Wovon hier also in erster Linie die Rede sein soll, ist der gesellschaftliche Stellenwert von Design aus heimischer Perspektive. Ich wage die Behauptung, dieser ist ein jämmerlicher … abseits der genannten Fanzirkel findet anspruchsvolles Design kaum statt und wird auch nicht vermisst.
Ein neidischer Blick in das nördliche Europa beweist, dass Design nichts Elitäres anhaften muss. Es handelt sich also erklärtermassen eben nicht um einen gelackten Zeitvertreib gelangweilter Intellektueller, sondern schlichtweg um eine Bereicherung des Alltags. Man könnte also sagen: Der Alltag ist für alle da, funktionale und formschöne Gestaltung sollten es auch sein!
Die Entscheidung ist einfach
Design ist die Antwort des Mündigen auf schnöden Pragmatismus. Design verspricht mehr als nur reine Leistung: Design spielt mit allen Sinnen.
Ich wage zu behaupten, dass unser Leben mit ein wenig mehr Design nicht nur bunter und farbenfroher, sondern anregender und offener wäre. Es gibt immer mehrere Möglichkeiten, Dinge zu sehen und zu tun, nur muss man von diesen Optionen auch wissen, um von ihnen Gebrauch zu machen.
Daher fordere ich eine »Gestaltungs- und Geschmacksbildung« (in einem bewusst sehr offen gehaltenen Sinne) in unseren Schulen, um vom frühen Kindesalter an zur Mündigkeit zu erziehen.
Was wir lernen können
Der Aufwand für eine derartige Erweiterung der Lehrpläne wäre wohl ein verhältnismäßig geringer, angesichts dessen, was wir alle dadurch gewinnen können: Lebensqualität; eine offene Gesellschaft; Mut zur Fantasie; engagierte Jugendliche und Kinder mit einer Perspektive; von all diesen Dingen profitieren die Gesellschaft wie auch der Einzelne gleichermaßen.
Ich wünsche mir daher zum Abschluss von Ihnen, liebe Leserin und lieber Leser, dass auch Sie im Bekannten- und Freundeskreis die Sensibilität für Design und Kunst schärfen und fördern helfen; in kleinen Schritten, nicht von heute auf morgen können wir es gemeinsam schaffen. Ich zähle auf Sie!
Herzlichst, Ihr Boris Berghammer
Boris Berghammer ist Initiator von styleaut.com und beschäftigt sich auch in seiner Arbeit als Designer und Fotograf mit der Frage nach Authentizität und Verwandlung. Authentizität ist auch von Anfang an eines der Leitmotive des Projektes styleaut.com und trägt wesentlich zu dessen Erfolg und Akzeptanz bei.
